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Im Land der Stille
Mit dem Slogan „Wandern - Walken - Wohlfühlen“ wirbt das österreichische Mühlviertel um seine Gäste. „Und Motorradfahren“... könnte man hinzufügen, denn das abgelegene Gebiet zwischen Donau und Tschechien ist ein „Land der Stille“ und geradezu prädestiniert für gemütliches Touren. Nur Mühlen findet man im Mühlviertel kaum, dafür aber fast 4.000 Kilometer reizvoller „Güterwege“.
Den wohl wichtigsten Geheimtipp für wahren Motorradgenuss im Mühlviertel möchte ich Ihnen jetzt gleich zu Beginn dieser Geschichte verraten: Fahren Sie die Güterwege! So werden dort Betonpisten und Einspur-Sträßchen genannt, die einstmals zur Versorgung der verstreut und oftmals idyllisch gelegenen Bauernhöfe angelegt wurden. Und diese waschechten „Single-Track-Roads“ sind im Mühlviertel nicht nur frei befahrbar, sie führen meistens sogar auf herrlichen Panorama- und Kurvenstrecken durch die sanfte Hügellandschaft der Region und bilden ein beinahe 4.000 Kilometer langes Netz aus echten fahrerischen Leckerbissen. Ein Mühlviertler Schmankerl, das wir uns höchstens mit einigen Traktoren und ab und an einem Auto teilen müssen.
1000 Meter über dem Alltag
Es ist Vatertag im Mai 2009 und Franz „Rocky“ Rockenschaub, der bikende und höchst umtriebige Dorfwirt von Liebenau, hat ein „Full House“. Nicht auf der Kartenhand, dafür aber in seiner gemütlichen Gaststube. Gerne hätte uns Rocky angesichts des strahlendblauen Frühlingstages auf seiner Yamaha TDM 900 zu unserer ersten Runde durch das Mühlviertel begleitet, aber die Arbeit geht vor. Pappsatt schwingen wir uns nach dem reichhaltigen Frühstück in den Sattel unserer Honda Varadero, ein leichter Tastendruck auf den Starter und ab geht’s in den Norden des Mühlviertels. Das Tanner Moor, eines der größten Hochmoore Österreichs, garniert den jungen Tag sogleich mit einer Prise Grusel, hat man sich doch seit Menschengedenken nicht getraut, dieses geheimnisvolle, oftmals nebelverhangene Moor „abzuernten“, sprich Torf zu stechen oder gar wertvolles Holz zu schlagen. Es wird seinen Grund gehabt haben.
Von Arbesbach aus wenden wir uns Richtung Süden, verlassen immer wieder einmal die breite Landstraße zu ersten Erkundungen dieser zahlreichen Güterwege. In sanften Kurven geht es
hinauf auf 1000 Höhenmeter oder mehr zu einsam gelegenen Höfen und Ansiedlungen. Manche verlassen und dem Verfall preisgegeben, viele aber auch liebevoll restauriert und zu gemütlichen Wohngebäuden in einzigartiger Aussichtslage umgebaut. Ottenschlag ist ein schönes Beispiel gelungener Restaurierung im Mühlviertler „Steinbloß-Stil“, einer optisch gefälligen Mischung aus weißem Putz und dunklem Granitgestein. Burg Prandegg nahe Gutau hingegen bedarf sicherlich noch erheblicher Anstrengungen, um eines Tages im alten Glanz wieder aufzuerstehen. Die Höhenburg aus dem 13. Jahrhundert bröckelt auf einem schmalen Felsgrat munter vor sich hin. Welch ein Kontrastprogramm dazu bietet doch Schloss Weinberg, stolz und erhaben über dem hübschen Ort Kefermarkt thronend. Bereits von Ferne begrüßt uns das über 700 Jahre alte Gemäuer, noch heute eine der mächtigsten Burgen Österreichs, in strahlend weißem Pinselstrich. Mit Enten- und Fischteich sowie angrenzendem Biergarten ein idealer Boxenstopp ganz besonders auch für hungrige Mägen.
Retour über die Alm
Bevor wir anschließend die erste Tour in Rockys Biker- & Wellness-Hotel in Liebenau ausklingen lassen, gönnen wir uns noch einige dieser Güterwege und fahren geruhsam Richtung Osten durch die „Mühlviertler Alm“, einem Zusammenschluss von zehn Gemeinden, deren Ziele ... |
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