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Mystic Place - Kaiserjägersteig
Eine Straße, die einen läutert. Ein mystischer Ort. Mitten im Trentino am Lago di Caldonazzo. Eng, felsig, steil. Mit einem SEELENBERUHIGENDEN AUSBLICK. Sie hat mir sogar den Brass auf das Fahren in der Gruppe genommen. Ein seltsamer Ort
Mit solchen Typen habe ich nichts zu tun. Mit Leuten, die in einer Gruppe durch die Alpen Motorrad fahren, habe ich verdammt noch mal nichts zu tun! Dachte ich. Dann war Wochenende.
Eine wirre und seltsame Situation brachte mich genau in eine solche, von mir abgrundtief verhasste Lage: mit einer Reisegruppe Motorrad zu fahren. Tatsächlich bin ich in den Strudel der Überredungskunst geraten und habe mich nach einem Getränk am Tresen ein paar Tage später mit den so genannten "Jungs" in den Bergen des Trentino/Südtirol wieder gefunden. In einer mystischen Region, mit einer magischen Straße. Aber lassen Sie sich von diesen traumhaften Einzelfotos auf diesen Seiten nicht beeirren, wir waren zu acht da.
Gut, dass wir getrennt anreisten. Praktisch jeder für sich, oder zu zweit, das geht. Abends beim Bier, das muss man zugeben, ist es schön zusammen zu sitzen, auch wenn man sich fühlt wie im MC Boikerklub.
Auf dem Parkplatz standen gute Motorräder. Ich war mit der MO-Dauertest Suzuki Gladius unterwegs, damals noch in der Farbe Lilapink. Neben der MV Agusta Brutale, den bei den Ducati Monstern, der Buell XB und der KTM Adventure war sie damit der Exot. Wobei, wenn die Gladius, die beiden Monster und die Brutale nebeneinander stehen, sieht man keinen großen Unterschied. Das bestätigt auch die Frage eines Passanten, der über die Gladius wissen wollte, ob sie eine Monster sei. „Monschter, gä?“
Es ist ja nicht so, dass ich völlig beratungsresistent wäre. Und so habe ich mir am Morgen eine Chance gegeben, was das Gruppenkradeln angeht. Eines stimmt auf jeden Fall: Es schweißt zusammen, es öffnet Horizonte, man erlebt etwas. Man hilft sich zum Beispiel, wenn einer auf die Klappe fällt.
Er ist vor mir gefahren. Wir sind von Trento nach Vason recht schnell bergauf gejagt, einer der besten Geheimtipps in dieser Region. Auf der Höhe von Norge geht’s in einer Kehre rechts herum. Aber manchmal spielt einem das Auge einen Streich, und dann denkt das Hirn: „Ah, nee, es geht doch geradeaus“. Der KTM-Fahrer hat sich, kurz verwirrt, für eine Vollbremsung entschieden. Gerutscht ist er nicht weit, er hat den entgegenkommenden GS-Fahrer nur knapp verfehlt.
Es war ein wunderschöner Tag. Als wir am Minisee Frazione Lagolo zu Mittag aßen und einen Fotografen beobachteten, der nackte Frauen beim Sonnenbaden ablichtete, hatten wir den Kaiserjägersteig schon hinter uns. Ich war entspannt. Ich war geläutert. Was war passiert? Wir waren von oben durchgefahren. Das lohnt sich, obwohl der Einstieg knifflig zu finden ist. Man rast gern vorbei, im Rhythmus der Straße.
Aber da Motorradfahrer mittlerweile ebenso über ein Navi oder einen Kumpel mit Navi verfügen, muss man an dieser Stelle nicht aufwändig erklären, wo dieser Abzweig ist. Man biegt auf der SS 349 ungefähr bei Punkt 45°57’49.70’’ N, 11°17’49.0’’ E in den Wald ab. GoogleMaps hat unter "Streetview" eine Rundumsicht von der Stelle. Einfach die Koordinaten eingeben und Bild einprägen.
Wenn man von oben kommt, merkt man nicht, dass man an manchen Stellen des Kaiserjägersteigs keinen massiven Boden unter den Rädern hat. Die Straße schwebt über dem Tal, dem Abhang, sie ist lediglich in die Wand "genagelt". ...
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